Tarifvertrag vka

ver.di und der Arbeitgeberverband der Versicherungen haben einen auf ein Jahr befristeten Tarifvertrag für Kurzarbeit unterzeichnet, der die Kurzarbeiterentschädigung auf 90 Prozent oder 95 Prozent des Nettolohns erhöht. Während der Laufzeit der Kurzarbeitsvereinbarung sind die Arbeitnehmer auch aus betrieblichen Gründen vor Entlassungen geschützt. Die wichtigste Organisation des deutschen Sozialdienstleistungssektors ist die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) Fußnote 13. Sie deckt den öffentlichen kommunalen Teil des Sektors mit einer Organisationsdichte in ihrem Bereich von fast 100 % ab. Der VKA schließt den Tarifvertrag für den öffentlichen Sektor (TVöD) mit der Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ab, der mit Abstand größten Gewerkschaft im Sozialdienstleistungssektor. Eine weitere kleinere Gewerkschaft, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Footnote 15, hat Relevanz in der Branche, wie zum Beispiel im Bereich der Kindergärten. Fußnote 16 Der Sozialdienstleistungssektor weist im Vergleich zu anderen Sektoren eine geringe Gewerkschaftsdichte von etwa 3 bis 10 % auf (Evans et al. 2012, S. 30). Die besonders geringe Gewerkschaftsdichte unter den kirchlichen Angestellten wirkt sich auf die Gesamtgewerkschaftsdichte im Sozialdienstleistungssektor aus. Die Sozialabteilung von ver.di hat jedoch ihre Mitgliederzahl erhöht. Die beiden gewinnorientierten Arbeitgeberverbände der Branche, der Arbeitgeberverband Pflege (AGVPFootnote 19, gegründet 2009) und der arbeitgeberfreundliche Arbeitgeberverband bpa (2015 von der AGVP ablösen) weisen offensichtliche Unterschiede auf, teilen aber die Charakteristischkeit schwacher Spitzenstrukturen in gewissem Maße.

Diese Verbände stellen eine vielfältige Mitgliederzahl von über 1700 Einrichtungen im Bereich der sozialen Dienste dar (Interviews 16 und 24). Beide privaten Arbeitgeberverbände wurden vor allem gegründet, um über die Pflegekommission Einfluss auf das Mindestlohnrecht in der Pflege zu nehmen und nicht unbedingt Tarifverträge abzuschließen. Im Sommer 2016 hatte die AGVP jedoch vor, mit ver.di über einen Tarifvertrag für Auszubildende zu verhandeln. Aufgrund interner Veränderungen innerhalb der AGVP haben die Verhandlungen jedoch noch nicht begonnen. Der Arbeitgeberverband bpa arbeitet an seiner Tarifstrategie. Beide Verbände lehnen allgemeinverbindliche Tarifverträge strikt ab (Interviews 16 und 24). Die Schritte der AGVP zur Aushandlung eines Tarifvertrags mit ver.di könnten daher möglicherweise als Strategie gegen die Versuche von ver.di (und der GEW) gesehen werden, (regionale) Tarifverträge mit Tarifgemeinschaften verschiedener Anbieterverbände abzuschließen und für allgemeinverbindlich erklären zu lassen.